Die Therapie

Welchen Anspruch soll, welchen Anspruch darf Psychotherapie verfolgen?

 

Die »Hollywood-Perspektive« in der Psychotherapie, in der das Ende der Therapie wie das Happy End eines Filmes sein soll, ist allgemein bekannt. Nach erfolgreicher Heilung verschwindet der Patient in sein Leben, wie der siegreiche Cowboy von der Leinwand. Obwohl es mittlerweile eine anerkannte Trivialität ist, dass etwa Liebesfilme regelmäßig dann enden, wenn die Beziehungen und damit auch neue Probleme beginnen, zeigt das Bild vom ewigen Glück gerade im »Psychosektor« eine erstaunliche Persistenz.

 

Weitreichende explizite oder implizite Versprechungen von einer völligen Umgestaltung der Persönlichkeit, von völliger Problemfreiheit, »implodierenden Symptomen«, immerwährendem Glück oder schmerzloser Lebensbewältigung sind jedoch nicht nur unrealistisch, sie sind in der Regel auch schädlich. Enttäuschte Hoffnungen verbittern besonders.

 

Gemessen am Hollywood-Standard erscheinen eigene Leistungen und Erfahrungen als Misserfolge und man selbst als Versager. Das Verfolgen von Schimären lenkt von einer realistischen Lebensbewältigung ab und verschwendet Energien, die anderswo erfolgversprechender eingesetzt werden können. Je mehr man sich auf Heilsversprechen einlässt, umso unselbstständiger wird man.

 

Psychotherapie kann aber nicht lebenslanges »An-die- Hand-Nehmen« bedeuten. Das realistische Therapieziel heißt daher Problembewältigung und Hilfe zur Selbsthilfe. Auch bei komplexen Problemkonstellationen kann es darum gehen, neue Bewältigungsmöglichkeiten zu vermitteln und Angelpunkte zu identifizieren, um bestehende Systeme aufzubrechen. Psychotherapie kann dazu beitragen, das Schwimmen zu lernen, das Schwimmen selbst kann einem jedoch niemand abnehmen. 

 

 (Margraf, Jürgen; Schneider, Silvia (Hrsg.) 2009: Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Heidelberg: Springer Verlag. S7)


Kontakt:

 

Psychotherapie Mag. Julian Stockinger

Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (Verhaltenstherapie)

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